Wir lesen und hören in diesen Tagen viele Ratschläge, wie man die Corona-Krise als Chance und  die erzwungene Entschleunigung sinnvoll nutzen sollte. Während der ein oder andere nun Tagebuch schreibt, Yoga macht oder puzzelt, gibt es auch viele, die einer recht geregelten Home Office Routine nachgehen und ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegt haben. So oder so finden die meisten mehr Zeit und Ruhe und hier auch die Möglichkeit über die Ist-Situation nachzudenken. Mit diesem ungewollten und ungeplanten Denkraum geht jeder anders um und während die einen optimistisch nach vorne schauen und sich auf die Zeit nach Ausgangssperre und Social Distancing freuen, fühlen andere sich äußerst unwohl, machen sich Sorgen um die Zukunft und haben Angst. Nur ist die Angst kein guter Ratgeber wie wir wissen – auch jetzt nicht.

 

Das Wort „Krise“ oder „Krisis“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Unsicherheit, bedenkliche Lage, Zuspitzung, Entscheidung und auch Wendepunkt. Die beiden letztgenannten Faktoren deuten klar darauf hin, dass eine Veränderung ansteht, auf die man sich im Idealfall schon jetzt vorbereiten kann. Viele Menschen werden in den nächsten Wochen und Monaten über jene Dinge nachdenken, die wirklich wichtig sind – in ihrem Leben, in unserer Gesellschaft und nicht zuletzt auch in ihrem Job.

 

Die Corona-Krise weitet sich teilweise schon jetzt zu einer Job-Krise aus und so bangen viele Arbeitnehmer*innen um ihren Arbeitsplatz in einer von der Krise bedrohten Branche und/oder arbeiten inzwischen in Kurzarbeit für entsprechend weniger Gehalt und dem großen Unsicherheitsfaktor Zukunft. Erschwerend hinzu kommt eine räumliche Isolierung im Home Office und es fehlt der persönliche Austausch mit Kollegen*innen auch in Bezug auf die ganz eigenen Gedanken und Befürchtungen um die Zukunft. Der Diplompsychologe Tom Diesbrock sagt in einem Interview: „Wir neigen allerdings dazu, Faktoren zu überschätzen, auf die wir keinen Einfluss haben – und unterschätzen dabei häufig unsere Möglichkeiten, unsere Lebenszufriedenheit aktiv und gezielt zu erhöhen.“  Es scheint daher mehr als sinnvoll, sich auf den „achten Tag“  oder anders gesagt die Zeit nach Corona vorzubereiten und für sich selbst zu entscheiden, ob eine berufliche Neuorientierung gezwungener oder auch freiwilliger maßen nicht durchaus eine sinnvolle Option ist, um die eigene Lebenszufriedenheit zu erhöhen.

 

 

Im Hinblick auf die berufliche Situation kann man den neu entstandenen Denkraum und die Zeit sinnvoll nutzen, um sich folgende Fragen zu stellen:

  • Ist meine aktuelle berufliche Position langfristig sicher?

  • Bietet mir mein Job die Möglichkeit, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln?

  • Wie glücklich bin ich gerade mit dem, was ich tue?

  • Wie wohl fühle ich mich in meinem sozialen beruflichen Umfeld in der Firma, mit Kolleg*innen und Vorgesetzten?

  • Was kommt? Was bleibt? Was muss nach dieser Krise anders werden?

 

 

Wenn man zu dem Schluss kommt, dass eine Veränderung zum einen eine höhere Lebenszufriedenheit und zum anderen auch eine zunehmende wirtschaftliche Sicherheit darstellen könnte, ist es in jedem Fall ratsam, Schritte in Richtung Berufswechsel zu gehen, ganz unabhängig von der momentanen Krisen-Situation. Der neue Job muss nicht binnen einer Woche gefunden und die Bewerbung nicht bereits formuliert sein. Es geht vor allem darum, den Verstand zu Kitzeln, die Aufmerksamkeit zu schärfen und sich darüber im Klaren zu werden, was man in Zukunft tun möchte, um zufrieden zu sein.

 

Die Schriftstellerin Nora Bossong sagte in einem Interview letzte Woche: „Wir können diesen Moment nutzen, um das Handeln hinter das Denken zu stellen.“ In diesem Sinne möchte ich dazu ermuntern, nachzudenken, nach vorne zu schauen und Optionen zu betrachten. Es gibt sie – auch in dieser Zeit!

 

 

 

 

 

 

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